Kontext und Arbeitsweise
In der professionellen Zeitrafferfotografie für Bau- und Infrastrukturprojekte erstellen wir Tausende von Fotos über Zeiträume von Monaten oder Jahren. Bei älteren DSLR-Modellen wie der Nikon D5600 oder D7500 funktioniert die Ordnerstruktur auf der SD-Karte einwandfrei: Sobald ein Ordner das Limit von 5.000 Bildern (DSC_5000.JPG) erreicht, wird automatisch ein neuer Ordner erstellt und die Nummerierung fortgesetzt.
Technisches Problem: Ordnerstruktur bei der Z-Serie
Bei der Nikon Z5 und Z6II tritt jedoch ein kritisches Problem auf, sobald der erste Ordner voll ist. Die Kamera erstellt zwar einen neuen Ordner, legt aber anstatt diesen zu füllen, für jedes darauffolgende Foto einen komplett neuen Ordner an. Dies führt zu Hunderten von Ordnern mit jeweils nur einem Foto. Da eine Speicherkarte nur eine begrenzte Anzahl von Ordnern verarbeiten kann, bricht das System vorzeitig ab.
Firmware-Analyse
Wir haben dieses Verhalten ausführlich mit verschiedenen Firmware-Versionen, einschließlich Version 1.50, getestet. Leider tritt der Fehler konsistent auf; sobald der erste Ordner voll ist, wiederholt sich das Problem, unabhängig von den Einstellungen für die Dateinummerierung oder das Ordnermanagement.
Offizielle Antwort von Nikon (NPS)
Nach ausführlichem Kontakt mit Nikon Professional Services (NPS) haben wir eine offizielle Antwort erhalten (Dossiernummer: 06332705). Die Erklärung für das Ordnerstruktur-Problem ist technischer Natur:
Nikon bestätigt, dass die Kameraeinstellungen und der Status der Ordnerstruktur nur dann korrekt gespeichert werden, wenn die Kamera über den physischen Ein-/Ausschalter ausgeschaltet wird. Da unsere autonomen Systeme die Kamera über die Stromzufuhr ein- und ausschalten, hat die Kamera keine Möglichkeit, den aktuellen Status in den internen Speicher zu schreiben.
Nikon hat mitgeteilt, dass jede Methode, die Kamera außerhalb des physischen Schalters ein- oder auszuschalten, nicht offiziell unterstützt wird. Es werden daher für dieses spezifische Anwendungsszenario keine weiteren Schritte oder Firmware-Anpassungen seitens des Herstellers unternommen.
Auswirkungen auf den professionellen Einsatz
Die Entscheidung von Nikon ist für den professionellen Markt problematisch, insbesondere da DSLR-Modelle immer seltener verfügbar sind. Die Z-Serie ist grundsätzlich aufgrund des Vollformatsensors (größerer Bildwinkel) und der Möglichkeit des völlig lautlosen Fotografierens (Silent Shutter) ideal für Zeitrafferanwendungen geeignet. Letzteres ist bei Projekten in der Nähe von Büros oder Wohnungen essenziell und verhindert zudem den mechanischen Verschleiß bei Zehntausenden von Aufnahmen.
Fazit: Nicht für den autonomen Einsatz geeignet
Trotz der überlegenen Spezifikationen sind die Nikon Z5 und Z6II aufgrund dieses Ordnerstruktur-Problems **nicht geeignet** für unbeaufsichtigte Langzeit-Zeitrafferprojekte mit externer Stromsteuerung. Bei Projekten, bei denen die Grenze von 5.000 Fotos überschritten wird, bleibt der Einsatz bewährter DSLR-Modelle (wie der D5600 oder D7500) notwendig, solange keine softwareseitige Lösung verfügbar ist.
Haben Sie das gleiche Problem? Melden Sie dies bitte dem Nikon Support unter Angabe Ihres eigenen Falles; je mehr Meldungen eingehen, desto größer ist die Chance auf einen zukünftigen Bugfix.